Die Sonne tanzte auf seinen Wimpern. Ihre Strahlen gaben sich alle Mühe, sein Lid anzuheben und ihm ein fröhliches "Heute wird ein schöner Tag, steh' auf!" zwischen seine braune Iris zu schreiben.
Aber seine Augen blieben fest geschlossen, obwohl er schon seit zu vielen Stunden wach war. Hinter seinen Lidern hatte er schon die Dämmerung nahen sehen, und durch das auf seine Ohren gepresste Kissen hindurch den Ruf einer frühen Amsel gehört. Doch für ihn gab es keinen Wurm zu fangen, weder hier im zerwühlten Bett, noch draußen im glitzernden Tau auf der dampfenden Wiese. Und wenn doch, es wäre ihm unendlich egal.
Die Amsel pfiff noch immer vor sich hin. Erzählte allen, die es nicht wissen wollten, vom anbrechenden Tag und ihrer Paarungsbereitschaft. Vom Frühling, der endlich angebrochen war. Vom tollen Sommer, der noch kommen würde. Und vom glitzernden Tau auf der Fensterscheibe, in dem sich die Sonnenstrahlen brachen und kleine Regenbögen aufs Gesicht warfen. Wie sollte man bei so einer Reizüberflutung nur endlich schlafen können.
Resigniert seufzte er. Er würde doch aufstehen und die Vorhänge schließen müssen. Seine linke Schläfe stach verräterisch, seine Halswirbel verlangten knackend nach erholsamer Ruhe und seine Augen waren verklebt und blinzelten gegen das Licht vom Fenster an, als er aufstand. Oder zumindest versuchte, aufzustehen. Kaum verlagerte er sein Gewicht auf den Fuß, der schon aus dem Bett baumelte, rutschte eben dieser auf irgendetwas eisig kaltem aus.
Zum Nachhall des metallischen Gefühls an seiner Fußsohle gesellte sich der metallene Geschmack seines Blutes in seinem Mund. Er war der Länge nach auf den Boden geschlagen, unfähig, sich mit den Händen abzufangen.
Stöhnend rieb er sich den Kopf und zwang sich, das Blut runter zu schlucken. Er spürte, wie seine Zunge rund um die kleine Bisswunde schon anfing, zu schwellen. Kurz fühlte er sich an seine Kindheit zurückerinnert, in der er sich so oft beim Essen in die Backe oder auf die Zunge gebissen hatte, dass er es fast gewöhnt war.
Ein Lächeln, das sich ob dieser Erinnerung auf seine Lippen geschlichen hätte, wurde jedoch durch die Frage verdrängt, worauf er ausgerutscht war. Er konnte sich nicht erinnern, etwas vor sein Bett gestellt zu haben, schon gar nicht so, dass er am Morgen mit Sicherheit darüber stolpern würde. Mit einer Hand schirmte er sein Gesicht vor der Sonne ab, während er sich mit der anderen vom Boden hochstemmte, bis er auf seinen Knien saß und sich umsah. Er musste erst ein paar mal blinzeln, bis die kleinen Sternchen verschwunden waren, die sich immer in sein Blickfeld mischten, doch dann entdeckte er das, wonach er gesucht hatte.
Es war ein bisschen unter sein Bett gerutscht und hing voller Spinnenweben und Staubflusen, als er es vorsichtig zu sich zog. Im Inneren klackerte etwas leise, die Oberfläche fühlte sich immernoch kalt an. Doch sie nahm die Wärme seiner Hände schnell an, so dass es sich plötzlich so anfühlte, als hätte er einen Klotz aus der ihn umgebenden Luft in den Händen. Das Wort "unfassbar" kam ihm in den Sinn, und es passte auf dieses eine Ding viel besser als auf alles andere, was er jemals in seinem Leben gesehen hatte. Es war nicht nur so, dass er nach kurzer Zeit das Gefühl hatte, ein schweres Nichts in den Händen zu halten, nein. Er konnte es auch nicht wirklich so wahrnehmen, wie man einen normalen Gegenstand sah. Die Form schien sich zu verändern. Kaum hatte er einen perfekten Quader erkannt, bemerkte er eine gekrümmte Seite, die sich ausbeulte und es eher wie eine Kugel aussehen ließ. Dem widersprachen jedoch die glatten, perfekt ebenen Seiten, die ihm dann auffielen. Aber eine runde Scheibe war es auch nicht, denn es hatte eindeutig Ecken und Kanten, die wie mit einem Winkelmesser perfekt saßen.
Zuerst schob er es auf das diffuse, bunte Licht in seinem Zimmer, dass er die Farbe des seltsamen Päckchens nicht bestimmen konnte. Anfangs erschien es ihm wie ein ödes, normales grau, wie von einem wolkenverhangenen Tag. Doch dann stach ein anderer Ton heraus, ein zartes, schwaches lila. Kaum drehte er das Päckchen in den Händen, wechselte die Farbe in einen schüchternen Braunton. Drehte er es zurück, sah es fast schwarz aus, und von Lila war keine Spur mehr zu erkennen. Es war wie eine perfekte optische Täuschung. Kaum meinte man, es erkannt zu haben, entzog es sich der sicheren Wahrnehmung. Ohne sich tatsächlich zu ändern.
Plötzlich jagte ein eisiger Schauer über seinen Rücken. Er war so versunken darin, dieses Päckchen zu untersuchen, dass ihn diese Frage wie ein Blitz traf.
Wer hatte es dorthin gelegt?
Er war die ganze Nacht über wach gewesen, hatte sich zwischen den Laken und Decken herumgewälzt und keinen Schlaf gefunden. Es war unmöglich, dass sich irgendjemand unbemerkt direkt an sein Bett geschlichen und das Päckchen dort abgelegt hatte. Verunsichert und nachdenklich sah er sich um und stand langsam auf, das seltsame Ding fest an seinen Brustkorb gepresst. Lautlos schlich er durch seine eigene Wohnung und überprüfte sämtliche Fenster und Türen. Achtete auf jedes Detail, sah sich um, ob irgendetwas verschoben worden war.
Doch wer auch immer es ihm gebracht haben sollte, er war nicht mehr da und hatte auch nichts geändert. In seiner Wohnung war alles wie am Abend zuvor. Verschlossen, verriegelt, aufgeräumt, intakt.
Er wusste nicht, ob er erleichtert oder besorgt sein sollte, also setzte er sich ratlos auf sein Bett und platzierte das Päckchen auf seinem Schoß. Wieder klackte es leise bei der Bewegung, so als würde sich darin irgendetwas lose bewegen. Er wurde neugierig. Päckchen sind dazu da, etwas hinein zu tun. Etwas darin zu verschicken oder etwas aufzubewahren. Aber es ist immer etwas darin, damit man es herausholen kann. Nach kurzem Zögern suchte er einen Schlitz, an dem er es aufreißen konnte. Oder einen Faltmechanismus wie bei den Paketen von der Post. Oder ein Schloss, einen Riegel, irgendetwas, wo er es öffnen konnte.
Doch es war auf allen Seiten makellos, die Oberfläche war so glatt wie polierter Marmor. Eigentlich überraschte es ihn nicht. Dass dieses Päckchen nicht normal war, hatte er mittlerweile gemerkt. Aber es hatte seine Neugier angefacht und seinen Ehrgeiz geweckt. Eine gefährliche Kombination.
Er verbrachte den gesamten Tag in seiner Wohnung, einzig damit beschäftigt, das Päckchen zu öffnen. Nachdem weder Scheren noch Messer eine sichtbare Wirkung zeigten, ging er zu immer ausgefalleneren Methoden über. Er versuchte, es von außen anzuzünden. Er holte seinen Akkubohrer. Warf es gegen die Wand, legte es in einen Türspalt und schmiss die Tür zu, sprang darauf herum. Er stellte es in den Ofen, in der Hoffnung, dass sich die Luft im Inneren ausdehnt und das Päckchen aufsprengt. Er biss hinein, kratzte sich alle Fingernägel kaputt und fiel schließlich erschöpft und vor Frustration weinend auf sein Bett. Das unversehrte Päckchen immernoch in den Händen. Nichteinmal einen Kratzer hatte es abbekommen, keine einzige Schramme. In der dunklen Wohnung war es wahrscheinlich das einzige, das nicht kaputt war, doch er konnte und wollte nicht nachsehen, da es bereits nachts war und all seine Glühbirnen durch misslungene Versuche, das Päckchen mit Elektrizität zu öffnen, in Scherben auf dem Boden lagen.
Er war überzeugter denn je, dass sich alles erklären würde, wenn er nur endlich dieses eine, verdammte Päckchen öffnen könnte. Über verschiedenen Ideen, wie er dies bewerkstelligen könnte, schlief er ein.
In den kommenden Wochen und Monaten gab es kaum eine Gelegenheit, in der er das Päckchen aus der Hand legte. Mittlerweile merkte er sogar kaum noch, dass er es unter den Arm geklemmt mit sich trug, selbst bei der Arbeit lag es ständig auf seinem Schoß, während er seinen Papierkram erledigte.
Nachts hörte er im Traum manchmal Echos von Stimmen, als wären sie in seinen Kopf geschlichen, aber noch nicht am Ziel angekommen. Sie sagten irgendetwas von Arbeitsmoral, nur eine Hand frei, Eiersandwiches, Viel Glück in der Gosse und einem Päckchen. Hmm, das Päckchen... Es nahm ihn so gefangen, dass er überhaupt nicht mehr zur Arbeit ging. Viel lieber stellte er sich auf eine Autobahnbrücke und ließ das Päckchen immer und immer wieder vor vorbeirauschende LKW fallen, in der Hoffnung, dass es dadurch endlich kaputt ginge und er an den Inhalt käme.
Eines Abends stand er wieder in das Päckchen versunken auf der Brücke und beobachtete den blechernen Strom unter sich. Er war so damit beschäftigt, nach großen Reifen Ausschau zu halten, dass er die zarte Hand auf seiner Schulter erst bemerkte, als sie ihn leicht schüttelte und der dazugehörige Mund ihn ansprach.
"Alles in Ordnung?"
Als er sich umdrehte und ihr in die Augen blickte war es, als würde er das erste mal in seinem Leben einen Menschen sehen. Die untergehende Sonne tauchte ihr Gesicht in einen weichen Orangeton, der ihre Wangen glühen und ihre Haare leuchten ließ. Ihre Erscheinung war ein so starker Kontrast zu der grauen, lauten Autobahn unter ihm, dass er sich aus Reflex wieder abwandte. Sie war zu schwach, zu schlank und zu weich, um ihm beim Öffnen des Päckchens zu helfen, er brauchte sich nicht weiter mit ihr zu befassen.
"Alles... in Ordnung" wiederholte er. Seine Zunge brachte die Worte nur schwer über die Lippen, schob aber mühsam noch ein bestimmtes "Danke" hinterher.
Doch der Griff um seine Schulter verfestigte sich, anstatt sich zu lösen. Er erstarrte als er merkte, dass die junge Frau ihn von hinten umarmte und sich an seinen Rücken schmiegte. Der kühle Wind wehte eine Strähne von ihrem Haar in sein Gesicht. Sie fächerte sich vor seinen Augen auf und ließ das Licht der untergehenden Sonne in allen Regenbogenfarben strahlen. Durch diesen bunten Vorhang hindurch konnte er sehen, wie ein großer Vierzigtonner unter der Brücke hindurchraste. Der hätte es vielleicht öffnen können... Warum musste diese Frau ihn eigentlich ablenken.
"Du hast auch so ein Päckchen, hm?"
Er verstand die Frage erst nicht. Dann löste er grob ihre Umarmung und drehte sich zu ihr herum. Sie schien ihn ohnehin nicht in Ruhe seiner Aufgabe nachgehen zu lassen, wenn er keine Antworten hab. Er wollte es so schnell wie möglich hinter sich bringen.
"Ja, ich hab' ein Päckchen, und ich bekomme es nicht auf, muss aber an den Inhalt. Wenn es dir nichts ausmacht, ich würde dann gerne weiter auf LKW warten."
Er drehte sich um und rechnete damit, dass sie beleidigt wegging oder sich ihm weiter aufdrängte.
Doch sie sah ihn nur nachdenklich an. Nach einer Weile begann sie, leise zu sprechen.
"Ich hab' auch so ein Päckchen. Und ich hab' auch versucht, es zu öffnen. Erfolglos. Und wenn ich mir dich so ansehe..." Sie strich geistesabwesend über seine Wangen. Er nahm erst durch das Knistern seiner Haare wahr, dass er sich seit langer Zeit nicht mehr rasiert hatte. Sie schluckte kurz, und fuhr dann fort: "Wenn ich mir dich so ansehe, solltest du es so machen wie ich."
Er brachte nur einen fragenden Blick heraus und hoffte, dass sie seine Ratlosigkeit auch durch seinen Bart hindurch erahnen konnte.
"Lass das Päckchen einfach zu Hause. Es wird dir nicht davonrennen, und du hast noch genügend Zeit vor dir, um es öffnen zu können. Aber wenn du es andauernd mit dir herumschleppst, hast du nur eine Hand frei, mit der du das Leben greifen kannst."
Er blickte ihr starr in die Augen. Sie nahm langsam ihre Hand von seiner Schulter und wandte sich zum gehen. Im letzten Licht der Sonne erkannte er noch ein leises Lächeln auf ihrem Gesicht, das er beinahe deuten konnte, doch ihre Haare verdeckten es zu schnell.
Als sie fast am Ende der Brücke war, kehrten schließlich seine Fassung und seine Sprache zurück.
"Warte!" rief er und stolperte unbeholfen auf sie zu. "Warte, kannst du mir dabei helfen?"
Ihre Silhouette war nurnoch als undeutlicher, sich wandelnder Schemen vor den dunklen Häuserreihen zu erkennen. "Bitte, ich weiß nicht, wie ich das machen soll!"
Er rutschte auf dem nasskalten Herbstlaub aus und verlor das Päckchen aus der Hand. Es kullerte ein wenig weiter, blieb dann jedoch auf der Brücke liegen. Er rappelte sich auf und schluckte das Blut herunter, das aus seiner Zunge quoll. Als er sich umsah, war jede Spur von der jungen Frau verschwunden.
Seufzend hob er das Päckchen auf. Er musste einige Schritte laufen um zu hören, dass nichts mehr zu hören war.
Ein Lächeln stahl sich auf sein Gesicht, als er nach Hause schlenderte und fröhlich vor sich hin pfiff.
Mittwoch, 8. Juli 2009
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12 Kommentare:
Interessante Geschichte! Ich wär wohl ähnlich hinter das öffnen eines solchen Paketes her... ^^ Hätte aber noch einige Hydraulik-Pressen zur Verfügung zum Ausprobieren... ;-)
Basiert die Geschichte auf einem Erlerbnis/ einer Person aus der Realität?
@Mr.Elch
Hydraulik-Presse... Interessant... ^^
@Jay
Wie bei fast allen Geschichten von mir, in denen irgendeine Erfahrung rübergebracht werden soll (also nicht in Fantasy-Sachen), lautet die Antwort auf deine Frage eindeutig Jein.
Sie haben meistens mit irgendetwas zu tun, was ich an mir selbst erfahren oder "durchgemacht" habe (wie auch in diesem Fall).
Allerdings wird es so lange verdreht und objektiv betrachtet, bis es eine andere Person ist, die in dem Text handelt.
Über andere Menschen schreib' ich eigentlich eher selten und auch nur ungern. Meine eigene Psyche bietet mir genügend Stoff zum Schreiben :D
Aha.
Ich finde es ganz gut, wobei die Kiste für ihre Funktionslosigkeit dann doch ziemlich präzise beschrieben wird. Die Brückenszene hätte meiner Meinung nach mehr Luft und Detail vertragen können.
Sehr schöne Metapher. Ich hab auch so ein Päckchen zu Hause. ^^
"In seiner Wohnung war alles wie am Abend zuvor. Verschlossen, verriegelt, aufgeräumt, intakt."
Das beist sich etwas mit dem Staub und Spinnen weben unter seinem Bett. ;-)
@Jay
Tja, naja. Wenn ich alles so beschrieben hätte, wäre keine Geschichte, sondern ein Roman daraus geworden. Außerdem... Weiß nich. Ich find's gut so :D
@Imperator
Das beißt sich überhaupt nich ;) Ich hatte erst "Verriegelt, sauber, intakt" geschrieben, aber dann is mir auch der Staub eingefallen. Aufräumen is was anderes als sauber machen. Es soll ja auch keine sterile Wohnung, sondern eine 08/15-Behausung sein.
Ich denke nicht, dass es dann ein Roman geworden wäre. Die Ent-täuschung beim Leser wäre halt nicht so groß gewesen, denn dadurch das du der Kiste mehr Zeit/Text als der Brückenszene zu teilst, könnte auch der Eindruck entstehen, dass sie eigentlich eine wichtigere Rolle spielt als hier beschrieben. In meinem Kopf wird er nach der Brückenszene rückfällig. Dafür war er zu besessen, um die Kiste einfach zu vergessen.
Zu dem weckst du natürlich beim Leser auch Neugierde auf die Kiste durch die ausführliche Umschreibung, aber dann machst du am Ende eine lange Nase und sagst quasi: "Haha, das alles über die Kiste zu lesen war Zeitverschwendung, den sie ist nur Mittel zum Zweck."
Ok, dann erklär ich's doch "ein bisschen".
Am Ende steht, dass nichts mehr zu hören war, als er gelaufen ist. Das Klacken im Päckchen ist also auch verschwunden. Es ist leer, es gibt keinen Grund mehr, es aufzumachen und sein Leben mit der Frage zu vergeuden, was darin ist/war.
Und... es ist nicht das Päckchen das unnütz ist, es sind die ganzen Bemühungen, das Päckchen zu öffnen. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, wie es so schön heißt, jeder hat mit seinen Problemen zu kämpfen. Aber man sollte nicht sein gesamtes Dasein nach diesen Problemen ausrichten, sich nicht selbst damit geißeln und das Wesentliche (nämlich Eiersandwiches ^^) vergessen.
Ich hab' am Ende ein paar kleine Parallelen zum Anfang gegeben (Licht, pfeifen, ausrutschen, ...). Unter anderem ist die Frau am Ende nicht mehr klar erkennbar, so wie das Päckchen am Anfang. Die Frau war... nicht wirklich im Päckchen, sondern ein Teil des Päckchens, jedenfalls keine äußere, andere Person, sondern nur ein Aspekt von ihm selbst, den er vernachlässigt hatte.
Die Proportionierung hab' ich auch neben den genannten Gründen so gelassen, weil es die Einfachheit der "Lösung" wiederspiegelt. Das Problem wird ausführlichst beschrieben, analysiert, untersucht und unter die Lupe genommen. Die Aufmerksamkeit des Lesers wird also auch auf das Problem an sich fokussiert, nicht auf seine Lösung (die ersten versuche, es zu öffnen, sind ja auch nur rasch hintereinander aufgezählt). Die Lösung is nichts, was man durch Logik, Taktik, Gewalt oder andere Dinge erreichen kann, die einem sonst weiterhelfen; Die Lösung "passiert" einfach. Unter anderem dadurch, dass er sich am Ende helfen lassen will, und dadurch, dass er im Endeffekt einfach loslässt. Er pfeift. Er lächelt. Er hat in sich die Stimmung, die am Anfang draußen war, und lässt sich nicht durch irgendwelche Sorgen davon abhalten, fröhlich zu sein.
Das Ende muss nicht ausgestaltet werden. Wir leben schließlich nicht in Hollywood, wo große Momente in Zeitlupe, Nahaufnahme und ergreifender Musik passieren. Lösungen sind nicht immer eine pure Erleuchtung. Wie gesagt, sie passieren oft einfach. Das wollte ich unter anderem mit dem Text ausdrücken.
Erstens: Es heißt ja ursprünglich "Jeder hat sein Kreuz zu tragen" und ist leider viel biblischer gemeint, als man heute noch glaubt. Es meint, dass jeder Sünden und sündige Taten begeht für die Jesus am Kreuz gestorben ist, zu mindest nach Meinung der Christen.
Das mit dem Päkchen ist mir auch lieber, aber verschiebt den Sinn dieser Redewendung ganz deutlich.
Klugscheißen Ende.
Zweitens:
Das du dir das so gedacht hast, ist natürlich eine Ebene des Textes, die mir als Leser nicht zur Verfügung steht beim Lesen.
Meine Wahrnehmung des Textes ist da eine andere. Und die zur Lösung von Problemen im übrigen auch. Aber die Idee des Textes verstehe ich jetzt ganz klar.
Drittens:
Ich lebe in Hollywood (zu mindest im Kopf). Wenn ich was tolles mache, dann bewege ich mich auch in Zeitlupe und es kommt meine Titelmelodie. ;)
Sehr toller Text und mir war am Ende die Idee klar. Am Anfang war ich ein wenig iritiert durch das Päckchen, doch im Laufe des Textes macht es Sinn. Unsere Probleme, inneren Konflikte etc sind häufig einfach nicht greifbar, sie beschäftigen uns Tag ein Tag aus und behindern uns in der Fähigkeit zu Leben und glücklich zu sein. Sie trüben unseren Blick auf die Realität, so wie das Öffnen des Päckchens alles andere in den Hintergrund drängt. Wirklich sehr schön ausgeschmückt. Doch sind alle Probleme vergessen, wenn man das Päckchen zuhause lässt oder die Breitschaft hat sich helfen zu lassen? Ich glaube nicht, dass es so einfach ist. Und der Mensch ist ein wehleidiges Wesen und genießt es vielleicht sogar ein wenig zu leiden, wenn er dadurch Beachtung bekommt..
@Jay
Nein, du machst das nich nur im Kopf. Ab und an summst du tatsächlich eine heroische, spannungsgeladene Melodie und bewegst dich in Zeitlupe.
@kreativeswirrwarr
Die Probleme sind ganz sicher nich dadurch gelöst, dass man das Päckchen auch einfach mal stehen lässt und sich nich damit beschäftigt. Ich sach ja auch nich, dass man sich nie damit beschäftigen sollte ^^
Das mit dem wehleidig stimmt allerdings leider allzu sehr.
Cool. Ist mir noch nicht aufgefallen. Ich dachte immer ich würde mic imm norm beweg, ab ich mrk da bstmt cht
Huch, ein halber Kommentar. :D
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